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Geschichte des Karate

Mehrere Kampfstile, eng verbunden mit Religionen und Wissenschaft, stellen die Grundlagen des Karate dar. Die Begriffe des Kampfes und der militärischen Künste besitzen in China, Japan, Korea und Vietnam einen völlig anderen Sinn als in der westlichen Welt:

Nicht der Sieg über den Gegner ist das Ziel des Studiums, sondern der Sieg über sich selbst, die Überwindung der eigenen Schwächen und Mängel. Asiatischer Kampfsport in seinen Erscheinungsformen ist eine Schule des Lebens, in der die seelisch–moralische Vervollkommnung des Menschen im Mittelpunkt stand und heute noch steht.

1. Wurzeln des modernen Karate im chinesischen Kempo und Okinawa-Karate

Grundsätzlich unterscheiden wir das Karate aus Okinawa von dem daraus entwickelten, also noch relativ jungen japanischen Karate. Die Ursprünge für beides liegen im chinesischen Kempo.

Okinawa, die größte der Ryukyu-Inseln im Süden der japanischen Inseln, war die Heimat vieler Flüchtlinge aus Japan, China und Korea. 1372 erkannte der dortige König Satsudo die Oberhoheit des chinesischen Kaisers an. Ausgesuchte, regimetreue chinesische Siedler wurden auf die Inseln entsandt. Sie hatten die Aufgabe, die Okinawaner in den Grundkenntnissen der Seeschiffahrt, dem Buchdruck und anderen Handwerken zu unterrichten. Auch wenn diese Siedler abgeschieden in eigenen Gemeinden lebten, verbreiteten sie allmählich auch das Kempo.

Diese japanische Bezeichnung umfaßt sowohl den chinesischen Faustkampf (orig. chin.: „Quanfa“: die Lehre der Faust) als auch den bewaffneten Kampf.

Der in Europa beliebte Begriff des Kung Fu leitet sich vom chinesischen Gungfu ab und bedeutet nichts anderes als „Intensives Training“ in irgendeiner körperlichen oder geistig-kulturellen Form. Er hat also mit dem Kampfsport Kung Fu im eigentlichen Sinne gar nichts zu tun.

1429 vereinigte König Sahashi die drei Gebiete Okinawas: Hokuzan, das nördliche Gebirge, Nanzan, das südliche, und Chuzan, das mittlere Gebirge. Um jeglichem Widerstand vorzubeugen, verbot er allen, mit Ausnahme der königlichen Truppen und der Feudalherren, das Tragen von Waffen. Daher suchten die Bauern, die der Willkür der Soldaten und Beamten, sowie den Überfällen von Banden ausgeliefert waren, ihre Rettung im Kempo.

Anfang des 17. Jh.s wurde Okinawa von Japan okkupiert, als Strafe für die Verweigerung von Unterstützung (Lehensverpflichtung) in den Koreafeldzügen 1592 und 1597-1598. Hieran nahmen 3000 Samurai des Shimazu-Clans teil. Okinawa wurde japanisches Protektorat.

1609 wie schon 1588 wurde eine Jagd auf Schwerter veranstaltet, nachdem Bauern die Steuereintreiber getötet und einige Samurai–Konvois geplündert hatten. Jeder, der sich im Besitz einer scharfen Waffe befand, wurde hingerichtet. Schmieden wurden geschlossen und Eisengegenstände verboten. Jedes Dorf durfte nur noch ein Messer besitzen.

Die Bevölkerung Okinawas schloß sich zu Geheimsekten zusammen und begann, Selbstschutzvereinigungen zu bilden. Hierzu genügten einige wenige Kempo-Meister. Die wichtigsten Verbreitungszentren waren die Städte.

Kempo hieß zu dieser Zeit Okinawa–Te (jap.: „Te“ = „Hand“, d.h. „Nahkampf von Okinawa“) oder To-te („die Wunderhand“). Auf Okinawa hatte der Te-Stil in den Städten unterschiedliche Namen: Naha–Te, Shuri–Te und Tomari–Te.

Während des 17. Jh.s agierten diese Schulen im Untergrund. Die Schüler legten einen Blutsschwur ab. Verriet jemand unter der Folter die Kameraden an den japanischen Feudalherren, so erwartete ihn ein brutales Ende: Man ritzte ihm die Haut ein und warf ihn auf dem Meer über Bord, wo er von den Haien zerrissen wurde.

Die Okinawaner stählten in jahrelangem Training die Körper derart, daß sie Panzer und Helme der Samurais durchschlagen konnten. Sie benutzten hier noch alte chinesische Verfahren, die die Finger abhärteten: Die Faust wurde zuerst an einem einfachen Makiwara trainiert, der aus einem Strohbündel bestand, befestigt an einem den Schlag abfangenden Stock oder Brett. Die Exaktheit der Schläge sollte erhöht und die Polsterung von Armen und Beinen verbessert werden. Aus dem Strohballen wurde ein Sack mit Bohnen, dann ein Brett und zum Schluß Eisen. In der freien Natur nahm man hierzu junge Bäume. Diese schlugen „zurück“, aber nach jahrelangem, konzentriertem Training brach der Kämpfer sie mit dem Schlag durch. Der Faustschlag eines heutigen Karate-Meisters erreicht einen Mittelwert von rund 700 kg, ein Fußtritt rund 1 Tonne. Die alten Meister haben diese Werte mit Sicherheit noch wesentlich übertroffen.

Diese Übungen gingen einher mit der Beherrschung alter und neuer Formen von Handwaffen. Hierzu zählen Bo (der Stock) und das Nunchaku (zwei kurze Stöcke mit Riemen, ähnlich einem Dreschflegel). Hinzu kamen Tonfas (Holzstangen mit einem Griff), Kamas (kleine Sicheln) und schließlich Sais, die einer Mistgabel ähneln. Okinawaner waren ja schließlich Bauern. Alles zusammen, das Kämpfen mit und ohne diese Waffen, bildet in der Neuzeit das Kobudo, die kleinen Kampfkünste.

Der Begriff Karate taucht öffentlich erstmals 1722 auf. Auf dem Berg Shuri auf Okinawa gründete Sakugawa, der in China Kempo und Bojutsu (Stockkampf) studiert hatte, eine Privatschule mit dem Namen Karate-no Sakugawa.

Ursprünglich wurde das Wort „Karate“ auf Okinawa in zwei Schriftzeichen wiedergegeben: „Kara“ wörtlich: „China in der Regierungsperiode der Tang-Dynastie“, im erweiterten Sinne „großes China“, und „Te“ für „Hand“. Früher bedeutete das Zeichen auch „Zweikampf“. Gichin Funakoshi (Begründer des Shotokan-Stiles) besetzte das Zeichen „Kara“ neu mit der Bedeutung: „Leere“ oder auch „Himmel“.

Im Jahre 1830 wurde aus Shuri ein Kempo-Meister und Regierungsbeamter namens Matsumura Sokon nach China gesandt, um seine Kenntnisse im Kempo zu vervollkommnen. Nach seiner Rückkehr gründete er eine Schule mit dem Namen Shorinryu Gokokua Karate, wörtlich: Karate im Stil der Shaolin, bestimmt für die Verteidigung der Heimat, heute Shorinryu (zu dem Begriff s.u.).

1848 verlieh man Sokon den Titel des obersten Kampfkunstlehrers Okinawas. Er propagierte ein hartes und kraftvolles Karate, welches vom klassischen alten Shaolin–Kung Fu geprägt wurde. Es bewährte sich aber nicht mehr beim Zusammentreffen mit bewaffneten Gegnern. Die Hauptanforderungen waren Schnelligkeit, Spontaneität, Kraft und eine genaue Kenntnis der Basistechniken. Sein Schüler Asato Anko verfeinerte die Techniken mit dem Wechsel von Angriff und Zurückweichen unter Einsatz von Wendungen, Neigungen und Ablenkungsmanövern. Alle Gründer der heute führenden Schulen waren selbst Schüler von Asato:

- Gichin Funakoshi (1868-1957) Shotokan, Sportkarate, kontaktloses Sparring

- Kenwa Mabuni (1893-1957) Shito-Ryu, kempoähnlich, mit Waffen

- Myagi Chojun (1888-1953) Goju-Ryu, Sportkarate, mit etwas Kontakt

Gegen Ende des 19. Jh.s bildeten sich endgültig 2 Hauptrichtungen des Karate heraus. Eine Richtung entwickelte vor allem Schnelligkeit, Kraft, Exaktheit und Heftigkeit. Dieser Stil nennt sich Shorei-Ryu (Erleuchtete Seele). Einige Shotokan-Katas stammen direkt von diesem Stil ab:

- Tekki (der eiserne Ritter) 1-3

- Sandan (Reiter)

- Jitte (zehn Hände)

- Hangetsu (der Halbmond)

- Jion (Name eines ehemaligen Mönchskriegers)

Maßgeblich für die 2. Richtung, Shorin-Ryu, sind schwankende Bewegungen und vorgetäuschte Aktionen. Dieser Stil ist leicht und sehr beweglich und schenkt der moralischen Erziehung der Menschen erhöhte Aufmerksamkeit. Typisch sind hier „vorprogrammierte“ Katas:

- Heian (Ruhe und Sicherheit) 1-5

  • Bassai (Eindringen in die Festung)
  • Kanku Dai (Betrachtung des Himmels)
  • Empi (Flug der Schwalbe)
  • Gankaku (Kranich auf der Klippe)

Beide Stile waren beliebt, doch mit dem Wegfall der Notwendigkeit, Rüstungen zerschlagen zu müssen, gab man dem leichteren Shorin-Stil den Vorzug. Er wurde von Gichin Funakoshi aufgenommen und weiterentwickelt.

Im Zuge des chinesisch-japanischen Krieges (1894/95, s.u.) und des einsetzenden japanischen Nationalismus gingen aber die Verbindungen zum Kontinent China verloren. Dadurch wurde Karate bei seiner Einführung im 20. Jh. als unabdingbare Besonderheit der japanischen Nation betrachtet. Auch wenn die Technik ihren Ursprung in China, Korea und Vietnam hatte, bezeichnete man hartnäckig Japan als die Heimat des Karate.

Bei der Suche nach seiner geistigen Grundlage griff das Karate in erster Linie auf das Bushido, die Kombination von Ehre (Giri) und humanem Empfinden (Ninjo), zurück, ergänzt durch das Streben nach universeller Harmonie des Menschen mit der Natur. Wahrer Kernpunkt der Ethik des neuen, japanischen Karate wurde die Lehre von den sozialen Funktionen der Persönlichkeit, die der Gesellschaft Nutzen bringt. Welcher Art von Gesellschaft sie von Nutzen sein sollen, vergaßen bis heute alle Karate-Gurus zu erwähnen:

In der Praxis wurde das Karate des 20. Jh.s mit seiner traditionellen Weltanschauung des Zen, die sich jedem Milieu und Gesellschaftsstruktur anzupassen vermag, stets für die Interessen der herrschenden Macht ausgenutzt. Es diente immer treu der Regierung und dem Gesetz.

Das Auf und Ab des Karate ist eng mit der politischen Geschichte der Zeit verbunden. Karate wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh.s legalisiert.

In der Meiji-Epoche (1868-1912), in der die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, widmete man der körperlichen Ertüchtigung der Schüler in den Mittelschulen erhöhte Aufmerksamkeit. Medizinische Untersuchungen der Jugendlichen auf Okinawa, die von Kindesbeinen an Karate betrieben, ergaben, daß diese eine erstaunliche Proportionalität des Körperwuchses, körperliche Kraft und Ausdauer besaßen.

Zudem stellte man bei der Analyse des chinesisch-japanischen Krieges fest, daß das Kempo bei der Vorbereitung des Personalbestandes von großem Nutzen gewesen war. 1902 wurde daraufhin versuchsweise Karate in den Unterricht aufgenommen und an der pädagogischen Lehranstalt auf Okinawa eingeführt. Kurz danach begann der japanisch-russische Krieg, der den Wert des Kempo bestätigte.

2. Die Entstehung der Stilrichtungen des modernen Karate

2.1 Shotokan

Seit 1905/06 organisierte Gichin Funakoshi mehrere Jahre lang zusammen mit Freunden, Demonstrationsauftritte in der Öffentlichkeit, die ersten ihrer Art. 1912 trat die Gruppe systematisch in den Sälen von Shiri und Naha auf (Städte auf Okinawa). Zu diesem Zeitpunkt hatte man in Japan schon viel von Karate gehört. Funakoshi erhielt eine Einladung, diese Sportart am Tokyoter Palast für Kampfmoral zu präsentieren. Dort demonstrierte Gichin Funakoshi Karate zum ersten Mal vor den Augen des Kronprinzen und späteren Tenno (Kaisers) Hirhito.

1922 verfaßte er anläßlich der 1. nationalen Sportausstellung ein dreibändiges Lehrbuch für Karate, welches aber beim Tokyoter Erdbeben vernichtet wurde. Funakoshi blieb in Japan und gründete an der Keil-Universität den ersten Karate–Klub. Durch seine Bemühungen wurde Shotokan zum klassischen Stil des modernen Karate.

Funakoshi hielt den Kampf auf mittlerer Distanz für optimal. Im Unterschied zum Shuri-Te führte er mittlere und höhere Tritte ein, reduzierte dafür die Würfe auf ein Minimum. Insgesamt entwickelte sich Shotokan in Richtung einer Sportdisziplin, die sich allmählich von den echten Zweikampfsportarten entfernt.

Zur Belehrung der Nachkommen verfaßte Funakoshi neben den technischen Anleitungen die „Gebote des Karatekämpfers“ mit acht grundlegenden Thesen zum Karate:

1. Der Geist ist eins mit dem Himmel und der Erde.

2. Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel vollziehen sich im Körper nach dem Prinzip von Sonne und Mond.

3. Der Weg (Do) schließt Härte und Sanftheit ein.

4. Handeln soll man in Übereinstimmung mit der Zeit und dem Rhythmus der allumfassenden Wandlungen.

5. Die Meisterschaft kommt nach dem Begreifen des Weges.

6. Das Einhalten der richtigen Distanz ist die Voraussetzung für Vordringen und Zurückweichen, für Trennung und Begegnung.

7. Die Augen dürfen nicht die geringste Veränderung in der Umgebung übersehen.

8. Die Ohren lauschen, indem sie die Laute von allen Seiten aufnehmen.

Sunzi (chin. Heerführer 5. Jh. v.Chr.) stellte einmal fest:

„Wenn du deinen Gegner kennst, und dich kennst, es wird keine Gefahr bestehen. Wenn du dich kennst, aber ihn nicht, dann wirst du einmal siegen und einmal verlieren. Wenn du dich nicht kennst und ihn nicht kennst, dann wirst du jedes Mal, wenn du kämpfst, eine Niederlage erleiden.

Doch in hundert Kämpfen hundertmal zu siegen, das ist noch nicht die höchste Kunst. Den Gegner ohne Waffe zu besiegen, das ist die höchste Kunst. Wenn ein wilder Vogel angreift, dann stürzt er herab wie ein Stein, ohne die Flügel auszubreiten. Wenn ein wildes Tier angreift, dann sitzt es erst still und spitzt die Ohren. So auch der Weise: Wenn er eine Handlung ausführen will, dann scheint er leicht zu zögern.“

In oben genannten Geboten finden sich meist Anschauungen der chinesischen Philosophie (hier Taoismus) wieder. Indem Funakoshi und seine Mitstreiter die Methoden des körperlichen und psychischen Trainings, die Strategie und Taktik sowie die Philosophie und Moral der Vergangenheit zusammenfaßten und erneuerten, haben sie Karate für die Welt erschlossen.

Die Statuten des Shotokan besagen:

  • Strebe zur Vervollkommnung der menschlichen Natur.
  • Folge dem Weg der Gerechtigkeit und verteidige sie.
  • Achte die Etikette.
  • Lasse nie Anzeichen von Aggressivität aufkommen.

Zu diesem Zeitpunkt betrieben alle Stilrichtungen Kontaktsparring. Nur im Shotokan bezweifelte man den Wert des sportlichen Karate und ging zu kontaktlosem Sparring über. Grund hierfür war der große Zulauf an Schülern und das dadurch bedingte Fehlen langjähriger Abhärtung von Körper und Geist, was die Verletzungsgefahr immens erhöhte.

Der zweite Weltkrieg brachte für das japanische Karate dadurch große Veränderungen, daß er Anlaß zur Entstehung neuer Schulen und Modernisierung alter Schulen gab. Im Shotokan zeichneten sich zwei Strömungen ab: Nakayama, Kase, Nishiyama und Funakoshi der Jüngere legten besonderen Wert auf das Ausfeilen der Techniken, auf korrekte Ausführung und sportliche Parameter. 1957 gründeten die Shotokan-Meister mit Nakayama Masotoshi, einem der besten Schüler Funakoshis senior den japanischen Karate-Verband (Japanese Karate Association, JKA, heute in Deutschland als DJKB).

Die andere Richtung des Shotokan, die gegen die sportliche Ausrichtung auftrat und die politischen und ideologischen Absichten des JKA nicht für gut befand, trennte sich vom JKA und schuf als eigene Organisation „Karate International“ unter der Leitung von Kanazawa Hirokasu. Sie versuchte, zu den Ursprüngen des Karate und zur mystischen Natur des Kempo zurückzukehren.

2.2 Shotokai

Die entschlossensten Meister, die nach der Erhaltung des Geistes des Budo strebten, trennten sich schon 1956 vom Shotokan. Sie lehnten die sportliche Professionalisierung und kommerzielle Vermarktung unter der Leitung des Shotokan ab. Sie gründeten die Schule des Shotokai unter der Leitung von Egami Shigeru. Shotokai lehnt die groben Kraftübungen und Biege(-bruch)-tests harter Gegenstände ab und legt besonderen Wert auf den energetischen Aspekt und die innere Konzentration. Es überwiegen flüssige Bewegungen, die den weichen chinesischen Stilen (Wing Chung) sehr ähneln.

2.3 Goju-Ryu, Shito-Ryu und Wado-Ryu

Parallel zur Eröffnung von Funakoshis Dojo in Tokio gründet Kenwa Mabuni ebenfalls eine Shotokan-Schule unter der Bezeichnung Shito-Ryu. Fast gleichzeitig gründet Chojun Myagi seine Schule des Goju-Ryu.

Myagi und Mabuni waren beide Schüler des Higaonna, Lehrer des Shorei-Stils Naha-Te. Die Goju-Ryu-Schule unterlag seit ihrer Gründung im Jahre 1930 wesentlichen Wandlungen. Myagis Nachfolger wurde Gogen Yamaguchi. Er liebte die formalen Übungen energetischer Katas wie Sanchin. Dem Training der Atmung maß er große Bedeutung bei, denn sie steuert den Wechsel von weichen, harmonischen und explosiven Phasen, langsamer, schneller und zielstrebiger Bewegung (Wechsel von „go“ und „ju“, hart und weich).

Nach Yamaguchis Tod büßte diese Schule an Glanz ein, doch führen seine drei Söhne diesen Stil weiter fort (, in Deutschland Fritz Nöpel, 8. Dan).

1939 wurde Wado-Ryu, „der Weg des Friedens“, von Hironori Otzuka ins Leben gerufen.

2.4 Kyokushinkai

Erwähnt sei hier auch Oyama Masutatsu. Er gründete die Schule des Kyokushinkai. Er stellte sich die Aufgabe, Kraft, Ausdauer und die Durchschlagkraft des Körpers maximal zu entwickeln.

Diese Fähigkeiten demonstrierte er unter anderem dadurch, dass er Anfang der fünfziger Jahre rund 50 Stiere mit der bloßen Hand tötete. Auf einer Gastspielreise in den USA erregte er Aufsehen, weil er Bierflaschen den Hals abschlug und Pflastersteine mit den Fingern durchbohrte. Wesentlich ist die Übernahme von Stellungen aus den chinesischen Schulen.

Allen Stilrichtungen gleich sind die Graduierungen: Schülergrade bis zum 1. Kyu, Dangrade von 1 bis 10, ab dem 5. Dan bekommt man den Renshi, schwarzen Gürtel, mit einem roten Band. Nur etwa 20 Menschen auf der Welt besitzen den 9. Dan (Shihan: höchster Lehrer, sie leiten das gesamte Ryu, d.h. die Schule oder Stilrichtung) oder 10. Dan (Saikoshihan). Zusammen mit den anderen Meistern sind sie die Mitglieder des Budokan.

3. Abschließendes

Vieles dieser Darstellung unserer Sportart wurde dem Buch „Kempo, die Kunst des Kampfes“ entnommen, stellt es doch eine einigermaßen wissenschaftlich fundierte Abhandlung aller Kampfkünste dar, die den asiatischen Erdteil betreffen.

Diesbezüglich wartet die Literatur noch auf objektive Darstellungen unserer Sportart.

Wichtig bleibt bei der derzeitigen Entwicklung des Shotokan festzustellen, inwieweit sich unser heutiger moderner Stil von den Ursprüngen entfernt hat. Ob dies nun positiv oder negativ zu beurteilen ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Literaturnachweis:

„Kempo, die Kunst des Kampfes“, A. Dolin

„Karate“, Albrecht Pflüger

„Karate“, Tommy Morris